Wie du Schmerzanzeichen bei Pferden erkennst
Wenn dein Pferd Schmerzen hat, wird es alles tun, um das zu verbergen. Pferde sind Fluchttiere, und in freier Wildbahn ist ein sichtbar geschwächtes Tier dasjenige, das als Erstes erbeutet wird. Dieser Instinkt ist nicht verschwunden. Wenn ein Pferd offensichtlich unwohl wirkt, besteht das Problem meist schon länger.
Das bedeutet: Die Verantwortung liegt bei dir. Nicht zu diagnostizieren, sondern hinzusehen. Im Folgenden findest du acht Anzeichen von Schmerzen bei Pferden, von den frühesten und subtilsten bis zu jenen, bei denen noch am selben Tag ein Tierarzt in den Stall kommen sollte.
Warum Pferde Schmerzen verbergen
Die Unterdrückung von Schmerz ist ein Überlebensreflex, keine Willenskraft. Ein Pferd in einer Herde, das Schwäche zeigt, zieht die Aufmerksamkeit von Raubtieren und den Druck anderer Pferde auf sich, daher lautet der Instinkt: so normal wie möglich weitermachen, so lange wie möglich.
Die praktische Konsequenz für dich ist einfach. Die Signale, die du bekommst, sind leise und meist eher Veränderungen als Ereignisse. Etwas, das dein Pferd immer tut, macht es plötzlich ein wenig anders. Das ist das Signal.
1. Verhaltensänderungen
Eine Verhaltensänderung ist oft das Allererste, was Besitzer bemerken, und am leichtesten wegzuerklären. Dein Pferd ist vielleicht weniger aktiv als sonst, weniger interessiert an seinem Futter, oder trinkt weniger.
Es kann auch reizbar werden. Ohren anlegen, wenn du dich näherst, sich beim Putzen entziehen, beim Gurten schnappen, oder Kontakt ablehnen, den es normalerweise ohne Weiteres zulässt. Ein plötzlich mürrisches Pferd hat sehr häufig irgendwo Schmerzen.
Ebenso aussagekräftig ist das Gegenteil: ein normalerweise vorwärtsdrängendes, eigenwilliges Pferd, das plötzlich still und zurückgezogen wird.
2. Lahmheit und ungleichmäßige Bewegung
Lahmheit ist das klassische Anzeichen und kann von Gelenken, Muskeln, Sehnen, Bändern oder dem Huf kommen. Es ist nicht immer ein dramatisches Kopfnicken. Achte auf einen verkürzten Schritt, Widerwillen, auf einer kleinen Volte zu wenden, ungleichmäßige Abnutzung der Hufeisen oder Schwierigkeiten, einen bestimmten Galoppwechsel aufzunehmen.
Es hat sich bewährt, dein Pferd einmal pro Woche auf einem harten, ebenen Untergrund im Schritt und Trab vorzuführen, in gerader Linie und auf beiden Händen. So erkennst du kleine Asymmetrien deutlich früher als in der Bahn.
Jede Lahmheit, die länger als ein bis zwei Tage anhält, verdient einen Anruf beim Tierarzt.
3. Veränderungen in Haltung und Stand
Schmerz verändert, wie ein Pferd steht. Es kann die Hinterbeine weiter unter den Körper stellen, das Gewicht nach vorne auf die Vorderfüße verlagern, oder ständig ein Hinterbein entlasten, obwohl das nicht seine Gewohnheit ist.
Ein Pferd, das nach hinten auf die Trachten zurückgelehnt steht, mit den Vorderfüßen nach vorne geschoben, ist ein Alarmsignal für Hufrehe und braucht dringend einen Tierarzt.
Achte auch auf die gesamte Silhouette. Ein aufgezogener Bauch, ein aufgewölbter Rücken, oder ein Pferd, das über längere Zeit mit tiefem, unbewegtem Hals steht, sind ebenfalls beachtenswert.
4. Veränderungen der Atmung
Die Atmung verrät Unbehagen, das ein Pferd ansonsten überspielt. Ein ruhendes Pferd sollte etwa 8 bis 16 Atemzüge pro Minute machen, leise und gleichmäßig.
Schnellere, flachere Atmung in Ruhe, geblähte Nüstern oder sichtbare Anstrengung in den Flanken können auf Schmerzen im Brust- oder Bauchraum, auf Fieber oder ein Atemwegsproblem hindeuten.
Zähle die Atemzüge, bevor du in Panik gerätst. Eine erhöhte Atemfrequenz in Kombination mit einem anderen Anzeichen aus dieser Liste ist ein Grund, den Tierarzt zu rufen.
5. Schwitzen ohne Anstrengung
Ein Pferd, das an einem milden Tag fleckig zu schwitzen beginnt, während es ruhig in der Box steht, sagt dir etwas. Schmerz und Stress lösen beide eine sympathische Reaktion aus, und Schwitzen ist ein Teil davon.
Fleckiger Schweiß hinter den Ellenbogen, entlang der Flanken oder am Hals, ohne Bewegung und ohne Hitze, die das erklären würde, ist eines der zuverlässigsten Notsignale, die du bekommen kannst. In Kombination mit Scharren, Blick zur Flanke oder Wälzen solltest du von einer Kolik ausgehen und sofort den Tierarzt rufen.
6. Gesichtsausdruck
Pferde haben einen wiedererkennbaren Schmerzausdruck, der auch wissenschaftlich beschrieben wurde. Die Horse Grimace Scale identifiziert sechs Gesichtsmerkmale, die sich bei Schmerzen verändern:
- Ohren steif nach hinten gehalten
- Anspannung um die Augen, wirkt halb geschlossen
- Anspannung der Muskeln über dem Auge
- Angespannte, hervortretende Kaumuskeln
- Angespanntes Maul mit betontem Kinn
- Angespannte Nüstern und abgeflachtes Profil
Keines dieser Merkmale beweist allein viel. Mehrere davon zusammen, bei einem Pferd, das normalerweise nicht so aussieht, sind bedeutsam. Mach neutrale Fotos vom Gesicht deines Pferdes, wenn es gesund ist, damit du einen Vergleich hast.
7. Veränderungen unter dem Sattel
Verhalten, das als Ungezogenheit abgetan wird, ist häufig Schmerz. Untersuchungen zum Ridden Horse Pain Ethogram zeigten, dass ein Cluster von acht oder mehr bestimmten Verhaltensweisen unter dem Reiter stark auf zugrunde liegende Muskel-Skelett-Schmerzen hindeutet.
Ernst zu nehmende Anzeichen sind wiederholtes Kopfschlagen, Schweifschlagen, Zähneknirschen, offenes Maul, Bocken, Verweigern, Widerwillen vorwärtszugehen, Schwierigkeiten auf einer Hand, und ein plötzlicher Qualitätsverlust in Lektionen, die dem Pferd vorher leichtfielen.
Bevor du mehr Training buchst, schließe Schmerz aus. Prüfe Sattelpassform, Zähne und Hufe, und ziehe deinen Tierarzt hinzu, wenn das Muster anhält.
8. Veränderungen beim Fressen, Trinken und Äpfeln
Langsames Kauen, halbgekaute Futterballen fallenlassen, den Kopf beim Fressen schräg halten oder Quidding weisen meist auf Zahnschmerzen hin. Ein Rückgang der Wasseraufnahme, weniger Äpfel als normal, oder eine Veränderung ihrer Konsistenz können auf Bauchschmerzen hindeuten, lange bevor eine Kolik offensichtlich wird.
Die meisten gesunden erwachsenen Pferde koten etwa 8 bis 12 Mal am Tag. Wenn du den Normalzustand deines Pferdes kennst, ist eine Veränderung leicht zu erkennen.
Kenne den Normalzustand deines Pferdes
Du kannst Abnormales nicht erkennen, ohne das Normale zu kennen. Nimm diese Werte ein paar Mal, wenn dein Pferd gesund und entspannt ist, und notiere sie an einem Ort, an dem du sie wiederfindest.
| Parameter | Normalbereich für ein erwachsenes Pferd in Ruhe |
|---|---|
| Temperatur | 37,2 bis 38,3 °C |
| Herzfrequenz | 28 bis 44 Schläge pro Minute |
| Atemfrequenz | 8 bis 16 Atemzüge pro Minute |
| Kapillarfüllzeit | Unter 2 Sekunden |
| Schleimhautfarbe | Feucht und lachsrosa |
| Darmgeräusche | In allen vier Quadranten hörbar |
| Fesselpuls | Schwach oder kaum spürbar |
Ein starker, pochender Fesselpuls an einem oder mehreren Füßen ist ein Warnzeichen für Hufrehe oder einen Hufabszess.
Wann du sofort den Tierarzt rufen solltest
Manche Anzeichen warten nicht bis zum Morgen. Kontaktiere deinen Tierarzt sofort, wenn du Folgendes siehst:
- Wälzen, Scharren, wiederholtes Schauen zur Flanke, oder Schwitzen ohne Darmgeräusche, was auf Kolik hindeutet
- Plötzliche starke Lahmheit oder Weigerung, ein Bein zu belasten
- Eine Hufrehe-Haltung, nach hinten auf die Trachten zurückgelehnt
- Temperatur über 39 °C, oder eine Ruhe-Herzfrequenz dauerhaft über 60
- Ein geschlossenes, tränendes oder blinzelndes Auge
- Husten, Unruhe und Futter oder Speichel an den Nüstern, was auf eine Schlundverstopfung hindeutet
Die wichtigste Gewohnheit
Schmerzen zu erkennen bedeutet nicht, jedes Syndrom zu kennen. Es bedeutet, dein eigenes Pferd so gut zu kennen, dass eine kleine Veränderung auffällt. Handle täglich mit ihm, halte dieselbe Routine ein und achte auf die Momente, in denen etwas leicht anders wirkt.
Vertraue diesem Instinkt. Wenn du glaubst, dass dein Pferd Schmerzen hat, ruf deinen Tierarzt an und lass ihn die Ursache finden. Ein Pferd schnell schmerzfrei zu bekommen, ist besser für seine Genesung, und besser für die Beziehung, die du mit ihm hast.
Dieser Artikel dient allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Wenn du dir Sorgen um dein Pferd machst, wende dich an deinen Tierarzt.
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