Der Einfluss von Duft auf das Wohlbefinden von Pferden
Ein Thema, mit dem wir uns bei LISS Products derzeit intensiv beschäftigen, ist der Einfluss von Gerüchen auf das Wohlbefinden des Pferdes. In diesem Beitrag nehmen wir Sie mit durch das, was wir über den Zusammenhang zwischen Duft und Emotion beim Pferd gelernt haben.
Wie beim Menschen können Gerüche Emotionen und die allgemeine Stimmung beeinflussen. Pferde verfügen über einen außergewöhnlich gut entwickelten Geruchssinn, weit feiner als unserer, wodurch Düfte für sie eine erheblich größere Bedeutung haben können. Im Folgenden gehen wir die Fragen durch, die uns am häufigsten gestellt werden, und erklären, warum es wichtig ist zu wissen, welche Gerüche Ihr Pferd angenehm findet und welche nicht.
Beeinflussen bestimmte Gerüche die Emotionen und die Verfassung von Pferden?
Ja. Pferde nutzen ihren Geruchssinn, um ihre Umgebung einzuordnen, mit Artgenossen zu kommunizieren und Gefahren zu erkennen. Vertraute Gerüche können beruhigend und sicherheitsgebend wirken. Unbekannte Gerüche oder solche, die mit Gefahr verknüpft sind, können dagegen Stress oder Angst auslösen.
Duft spielt eine reale Rolle für das emotionale Wohlbefinden von Pferden. Der Geruch vertrauter Artgenossen oder einer bekannten Umgebung wirkt in der Regel beruhigend, während belastende Gerüche, etwa die unbekannter Tiere oder eines fremden Stalls, Unruhe hervorrufen können.
Kann ein Duft ein Pferd glücklicher machen?
Duft kann zum Komfort und Wohlbefinden eines Pferdes beitragen. Riecht ein Pferd etwas, das es mit positiven Erfahrungen verbindet, etwa seinen Besitzer oder ihm vertraute Pferde, kann das ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe erzeugen. Besonders relevant ist das in belastenden Situationen: beim Transport, in einer neuen Umgebung oder im Vorfeld eines Turniers.
Natürliche Düfte wie Lavendel, Kamille und Eukalyptus gelten als beruhigend. Die Forschung dazu, wie einzelne Düfte auf Pferde wirken, steht noch am Anfang, doch Arbeiten an anderen Tierarten deuten darauf hin, dass aromatische Pflanzen Stimmung und Verhalten positiv beeinflussen können. Durchdacht eingesetzt kann Duft also zu einem ruhigeren Pferd beitragen.
Ab wann ist ein Duft zu stark für ein Pferd?
Das Riechorgan eines Pferdes ist deutlich größer und empfindlicher als das des Menschen. Was uns mild oder subtil erscheint, kann für ein Pferd wesentlich intensiver sein. Ein Duft, den wir als angenehm empfinden, kann für das Pferd überwältigend sein und zu Unbehagen oder Stress führen.
Ist ein Geruch zu stark, kann ein Pferd mit dem Kopf schlagen, bestimmte Bereiche meiden oder merklich nervöser werden. Duft sollte daher subtil und kontrolliert eingesetzt werden, damit das Pferd nicht überreizt wird. Scharfe oder deutlich künstlich wirkende Gerüche arbeiten eher gegen das Wohlbefinden als dafür.
Können Pferde durch Gerüche gereizt oder überfordert werden?
Ja. Weil der Geruchssinn eines Pferdes so fein ist, sind manche Gerüche für es weitaus intensiver als für uns. Das kann Stress oder Unbehagen auslösen, besonders bei synthetischen oder scharfen Düften. Künstliche Duftstoffe sind dabei häufig das größte Problem, weil sie für ein Pferd intensiv und unnatürlich wirken.
Ein Pferd, das wiederholt einem als unangenehm empfundenen Geruch ausgesetzt ist, kann sich zurückziehen oder Verhaltensänderungen zeigen. Das verunsichert es und kann sich auf Leistung, Wohlbefinden und allgemeine Verfassung auswirken.
Darf man Düfte kurz vor einem Turnier einsetzen, oder gilt das als Doping?
Das ist die Frage, deren Antwort komplizierter ausfällt als die meisten erwarten, und sie ist es wert, aufmerksam gelesen zu werden.
Die Position der FEI ist eindeutig: Jede Substanz, die die Leistung eines Pferdes beruhigend oder stimulierend beeinflusst und eine verbotene Substanz enthält, ist untersagt. Die FEI warnt darüber hinaus ausdrücklich vor Kräuter- und Naturprodukten, deren Inhaltsstoffe und genaue Zusammensetzung nicht vollständig bekannt sind, und prüft oder genehmigt solche Produkte nicht.
Entscheidend dabei: Pflanzlicher Ursprung bietet keinerlei Schutz. Mehrere der Pflanzen, die am stärksten mit beruhigender Wirkung verbunden werden, stehen auf den Verbotslisten, darunter Baldrian, und sowohl Kamille als auch Lavendel sind im FEI- und USEF-Turniersport verboten. Ein als natürlich vermarktetes Produkt kann also trotzdem zu einem positiven Befund führen.
Die ehrliche Antwort lautet deshalb so. Ein Pflegeprodukt, das reinigt und schützt und keinen pharmakologisch wirksamen beruhigenden Bestandteil enthält, ist kein Doping. Sobald ein Produkt jedoch dazu bestimmt ist, das Pferd zu beruhigen, oder eine Pflanze von der Verbotsliste enthält, befinden Sie sich im regulierten Bereich, und die Verantwortung liegt beim Reiter.
Wenn Sie im Turniersport starten, gleichen Sie die Inhaltsstoffe aller verwendeten Produkte mit der aktuellen FEI Equine Prohibited Substances List ab und sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Tierarzt. Verlassen Sie sich nicht auf die Aussage eines Herstellers, ein Produkt sei natürlich und deshalb unbedenklich.
Und synthetische Duftstoffe?
Synthetische Duftstoffe sind in kommerziellen Produkten weit verbreitet und in der Regel günstiger als natürliche. Sie bestehen aus synthetischen Chemikalien, die den Geruch natürlicher Substanzen nachahmen. So kann es wirken, als enthielte ein Produkt Lavendel, was natürlich klingt, während tatsächlich eine synthetische Lavendelnote zugesetzt wurde. Natürlich wird das Produkt dadurch nicht.
Hinzu kommt, dass künstliche Düfte zu intensiv und unnatürlich sein können und in manchen Fällen für Mensch und Tier schädlich sind. Längere Exposition kann bei Pferden zu allergischen Reaktionen, Atemwegsproblemen oder Hautirritationen beitragen.
Und es gibt ein weiteres Problem. Pferde nutzen Gerüche, um Informationen über ihre Umgebung, über Artgenossen und über mögliche Gefahren zu sammeln. Künstliche Düfte können das stören, Verwirrung stiften und das Pferd in eine belastende Situation bringen. Das ist einer der Gründe, warum Produkte auf Basis natürlicher Duftprofile zunehmend geschätzt werden.
Sind natürliche Düfte besser für Pferde?
Natürliche Duftstoffe wie Lavendel, Kamille und Eukalyptus tragen die komplexen Aromaprofile, die in der Natur vorkommen, und werden häufig mit beruhigenden, ausgleichenden Eigenschaften verbunden. Weil sie subtiler sind und weniger chemisch wirken, passen sie besser zu den Sinnen des Pferdes.
Sie sind zudem meist milder und sanfter, wodurch das Risiko von Irritationen oder Überreizung sinkt. Gut eingesetzt kann natürlicher Duft zu einem ruhigeren und ausgeglicheneren Pferd beitragen.
Der Vorbehalt aus dem Turnierabschnitt bleibt dabei bestehen: milder heißt nicht erlaubt. Natürlich und turniertauglich sind zwei verschiedene Fragen.
Zum Schluss
Duft spielt eine echte Rolle für das Wohlbefinden von Pferden. Weil ihr Geruchssinn so stark ausgeprägt ist, können Gerüche Stimmung und Verhalten in beide Richtungen beeinflussen. Natürliche Düfte haben echtes Potenzial, zu beruhigen und Sicherheit zu geben; künstliche sind häufig zu intensiv und manchmal aktiv hinderlich.
Es lohnt sich, genau zu überlegen, welche Gerüche Sie in die Umgebung Ihres Pferdes bringen. Die Entscheidung für natürliche, subtile Duftprofile ist klein, kann ein Pferd in seiner Umgebung aber spürbar entspannter machen.
Wir arbeiten hinter den Kulissen an neuen Produkten und wollen dabei alles berücksichtigen, was zum allgemeinen Wohlbefinden eines Pferdes beiträgt. Duft nimmt in dieser Arbeit einen zentralen Platz ein.
Weiterführende Quellen
FEI. Clean Sport for Horses: Equine Prohibited Substances List. https://inside.fei.org/fei/cleansport/ad-h/prohibited-list
Hansson, B. S., & Schubert, M. (2013). The Scent of Life: Chemical Senses in Animals and Humans.
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